logo

 

button_le
button_home
button_kpt button_sv

Zu diesem Buch finden Sie hier:

[Inhalt]

[Auszug aus dem Vorwort]

Einen Auszug aus diesem Buch finden Sie auch auf der Info-Seite über Wilhelm Reich

natur_w

Ingo Diedrich
Naturnah forschen
Wilhelm Reichs Methode des lebendigen Erkennens
ISBN 3-934391-02-8, Euro(D)14,80 /sFr 26

bestellbutton

Forschen im Einklang mit der Natur?

"Das gleichzeitige Denken von Detail und Ganzheit ist eine Voraussetzung für die Produktivität der wissenschaftlichen Forschung." Wilhelm Reich

Thema dieses Buches ist die theoretische Grundlage der Forschungen des Arztes und Naturwissenschaftlers Wilhelm Reich, auf  die der heute viel benutzte Begriff der Ganzheitlichkeit in besonderem Maße zutrifft. Reich nennt seine Denkweise funktionelles Denken bzw. orgonomischen Funktionalismus. Als Parademodell für Reichs Methode gelten die gegensätzlichen Funktionen des Sympathikus und des Parasympathikus, die nur auf Basis der funktionellen Einheit des vegetativen Lebens verständlich werden. Funktionell denken heißt für Reich, die vielfältigen Wirkungszusammenhänge der Natur - vor allem der lebendigen Natur - als gegensätzliche Ausdrucksformen bestimmter Grundfunktionen zu erkennen. Reich hat den erkenntnistheoretischen Hintergrund seiner Arbeit nie zusammenhängend dargestellt. Dem Autor Ingo Diedrich ist es gelungen, durch intensives Quellenstudium die Essenz der Reich'schen Denkweise herauszuarbeiten, zu hinterfragen und in anschaulicher Form darzulegen.

[Seitenanfang]

Inhalt
 
1 Einleitung 
2 Zur Biografie Wilhelm Reichs 
3 Reichs Entwicklung zum Orgonomischen Funktionalismus 
 3.1. Die Frühphase
 3.2. Die Psychoanalyse 
 3.3. Der Dialektische Materialismus 
 3.4. Die innere Logik 
4 Zentrale Begriffe des Reichschen Denkens 
 4.1. Die Entdeckung des Orgons
 4.2. Funktionalistisches Denken
 4.2.1. Zum Begriff ‘Funktion’
 4.2.2. Zum Begriff ‘Funktionelle Identität’
 4.2.3. Funktionelle Identität am Beispiel Körper«Psyche
 4.3. Zum Naturbegriff
 4.3.1. Die Funktionsgebiete der Natur
 4.4. Das widersprüchliche Verhältnis Mensch«Natur
 4.4.1. Das Schichtenmodell
 4.4.2. Zum Gesundheitsbegriff
 4.4.3. Der normale mechanistisch-mystische Mensch
 4.4.4.  Zur Entstehung der ‘Widernatur’ des Menschen
 4.5. Die Wahrnehmung der Natur 
 4.5.1. Die Organempfindung 
 4.5.2. Die Organempfindung des gepanzerten Organismus
 4.5.3. Das bewusste Denken
 4.5.4. Das irrationale Denken 
5 Der Orgonomische Funktionalismus
 5.1. Zum Wissenschaftsverständnis Reichs
 5.2. Zur Entwicklung des Orgonomischen Funktionalismus zu einer eigenständigen Wissenschaftsform
 5.3. Zur Person des Forschers in der Forschung
 5.3.1. Der ‘homo normalis’ als Forscher
 5.3.2. Grundlagenforschung im Neuland
 5.3.3. Zum Forschungsgegenstand
 5.3.4. Zur Methodik und Vorgehensweise
 5.3.5. Anforderungen an den orgonomisch funktionalistischen Forscher
6 Orgonomischer Funktionalismus  - eine diskussionswürdige Alternative?
 6.1. Eine Wissenschaft im Einklang mit der Natur?
 6.2. Eine Wissenschaft im Einklang mit dem Leben?
 6.3. Reich als orgonomisch-funktionalistischer Forscher
 6.4. Zur Aktualität des Orgonomischen Funktionalismus 
 6.5. Persönliche Schlussbemerkungen
 
Literatur von Wilhelm Reich
Sonstige Literatur
Anmerkungen

[Seitenanfang]

Auszug aus dem Vorwort zu “Naturnah forschen”
von Ingo Diederich

Das Werk Reichs lernte ich im Rahmen eines Pädagogik-Seminars vor allem über sein Buch „Die sexuelle Revolution“ kennen. Ich war zum ersten Mal in diesem Studium von einer Theorie nicht nur intellektuell betroffen. In seinen Aussagen lag eine große Sprengkraft, die nicht nur an den Grundfesten der Gesellschaft, sondern auch an denen meiner Person radikal rüttelte. In der folgenden Zeit beschäftigte ich mich vor allem mit Reichs Büchern aus der ersten Hälfte der 30er Jahre und ordnete ihn als marxistischen Psychoanalytiker ein. Ich war ziemlich begeistert, doch je mehr ich mich mit seinen späteren Werken beschäftigte, desto unsicherer wurde ich. Insbesondere die Entdeckung der Orgonenergie und die damit zusammenhängende Forschung war mir sehr suspekt. Das Lebensenergiekonzept erinnerte einfach zu sehr an Annahmen aus dem esoterischen Bereich. Was war passiert? Phantasierte Reich in seinen Forschungen, die schon längst nichts mehr mit Marxismus oder Psychoanalyse zu tun hatten? War er verrückt geworden, wie so viele behaupteten? Oder war sein neuer Forschungsbereich, die Orgonomie, tatsächlich nur eine konsequente Weiterentwicklung der früheren Forschungen, wie Reich selbst behauptete? Und wenn er kein Psychoanalytiker mehr war, was war er dann, auf welcher Basis forschte er? Lag in dieser Art von Wissenschaft etwa ebenfalls die Sprengkraft seiner frühen Forschungen?

Ich möchte in dieser Arbeit die immer lauter werdende Forderung nach einer ‘Alternativen Wissenschaft’, die neben der Gesellschaftskritik „die Harmonie mit der Natur, nicht die Herrschaft über die Natur“ betont, aufgreifen, da ich von der Notwendigkeit einer solchen Neuorientierung überzeugt bin. Es wird also um die Frage gehen, ob Reich in seinem Spätwerk eine solche alternative Wissenschaft gefunden und praktiziert hat.

Reich hat den Orgonomischen Funktionalismus in den 40er Jahren formuliert, unter anderem, indem er seine Ergebnisse aus den verschiedensten Forschungsgebieten in eine Wissenschaftstheorie übertrug. Da ich nicht voraussetzen kann, dass diese Ergebnisse - insbesondere unter dem gewählten Gesichtspunkt - bekannt sind, werde ich auf sie eingehen müssen. Ich werde mich allerdings auf die Zusammenhänge beschränken, die zum Verständnis des Orgonomischen Funktionalismus unbedingt notwendig sind; das heißt z.B., dass die für Reich sehr wichtige Orgonenergie nur erwähnt werden kann, ohne etwa auf die einzelnen Versuche einzugehen. Das Thema dieser Arbeit ist die theoretische Grundlage der wissenschaftlichen Tätigkeit Reichs und nicht seine Forschungsinhalte.

Da die benötigten Informationen in Reichs Werk oft nur sehr verstreut vorliegen, habe ich mich entschieden, möglichst quellennah zu arbeiten. Die häufigen Zitate erschweren wahrscheinlich die Lesbarkeit, erlauben es aber dem Leser aufgrund der Quellenverweise, die Argumentation in den Originaltexten nachzuvollziehen.

Da der Orgonomische Funktionalismus am Ende einer langjährigen wissenschaftlichen Tätigkeit ausgearbeitet wurde, werde ich zunächst Reichs Entwicklung dahin vor allem unter dem Gesichtspunkt seiner Auseinandersetzung mit verschiedenen theoretischen Ansätzen darstellen. Ein kurzer biographischer Passus wird vorangestellt, um die einzelnen Aspekte dieser fast ausschließlich historischen Arbeit besser in Reichs Leben einordnen zu können. Der Hauptteil ist in zwei Abschnitte untergliedert: Im ersten Abschnitt werden zentrale Begriffe und Zusammenhänge aus Reichs Forschungen, die zum Verständnis des Orgonomischen Funktionalismus notwendig sind, dargestellt; im zweiten Abschnitt werde ich diese Begriffe, soweit dies die Quellen erlauben, konkret auf die Wissenschaftstheorie beziehen. Im Diskussionsteil am Ende dieser Arbeit soll vor allem die Frage geklärt werden, inwieweit Reichs Art Wissenschaft zu betreiben im Einklang mit (Reichs eigenen Vorstellungen von) der Natur steht.

[Seitenanfang]