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Norbert Schrauth
Körperpsychotherapie und Psychoanalyse
Eine vergleichende Studie am Beispiel von Wilhelm Reich, Gerda Boyesen und Alexander Lowen sowie Sandor Ferenczi, Michael Balint und Donald W. Winnicott
Broschur, 192 S., ISBN 3-934391-08-7, Euro(D)14,80/sFr 26

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Inhalt

Zum Geleit - von Prof. Dr. Horst Kächele

Einführung
1. Die Körperpsychotherapeuten - 2. Die Psychoanalytiker - 3. Diskussion - 4. Deutschsprachige empirische Forschung zur Körperpsychotherapie

Teil 1
Die Körperpsychotherapeuten
I. Wilhelm Reich
1. Einführung - 2. Die Funktion des Orgasmus - 3. Die aktuelle Verankerung der Neurose - 4. Charakter und Charakterpanzer - 5. Dreischichtungsmodell der Persönlichkeit - 6. Körper- und Muskelpanzer - 7. Charakter und Gesellschaft - 8. Lebens- und Todestrieb - 9. Gesellschaftliche Repression und sexuelle Unterdrückung - 10. Prävention der Neurosen - 11. Zusammenfassung

II. Die Biodynamik Gerda Boyesens
1. Einführung - 2. Der Schreck-Reflex - 3. Zyklen - 4. Massagen als Psychotherapie - 5. Die Funktion der vegetativen Entladung - 6. Gewebepanzerung - 7. Das gastrointestinale Feedback - die Psychoperistaltik -  8. Die psychoperistaltische Selbstregulation und das unabhängige Wohlbefinden - 9. Ladung (Provokation) und Entladung - 11. Das Prinzip des “Schmelzens” - 12. Auf- und absteigende Energien - 13. Das Konzept der dynamischen Entspannung - 14. Primäre Persönlichkeit - 15. Die biodynamische Vegetotherapie - 16. Organismische Psychotherapie - 17. Zusammenfassung

III. Die Bioenergetik Alexander Lowens
1. Einführung - 2. Grundannahmen - 3. Charakterlehre - 4. Die Grundkonflikte - 5. Zusammenfassung

Teil 2
Die Psychoanalytiker
I. Sandor Ferenczi
1. Einleitung - 2. Aktive Technik - 3. Traumatheorie - 4. “Technik der Mutterzärtlichkeit” - 5. Korrigierende emotionale Erfahrungen - 6. Zusammenfassung

II. Michael Balint
1. Einleitung - 2. Grundstörungen - 3. Primäre Liebe - 4. Regression - 5. Neubeginn - 6. Gefahren im Umgang mit Regressionen

III. Donald W. Winnicott
1. Innenwelt und Umwelt - 2. Das Halten - 3. Das Behandeln (Handling) - 4. Veränderungen in der Mutter - 5. Wahres und falsches Selbst im Sinne Winnicotts - 6. Der Weg aus der Symbiose - 7. Zusammenfassung

Teil 3
Diskussion
I. Einige Grundbegriffe und Techniken der Körperpsychotherapie
II. Die klassische psychoanalytische Technik
III. Theoretische Brückenschläge
IV. Körperpsychotherapeutische Praxis im Lichte psychoanalytischer Begrifflichkeiten
1. Halten und Behandeln - 2. Die Veränderungen im Therapeuten - 3. Die Bedeutung von Regression und Katharsis - 4. Der Weg aus der Symbiose - 5. Das “object presenting” - 6. Die Fähigkeit zum Alleinesein - 7. Die Übergangsobjekt - 8. Frühe Wut und Ödipale Wut

V. Sinn und Notwendigkeit von Theorie- und Technikwandel in der Psychotherapie
1. Veränderungen der Theorien und Techniken  durch Veränderungen der Leiden - 2. Das energetische und das dialektische Prinzip - 3. Die Körper-Geist-Spaltung

Teil 4
Deutschsprachige empirische Forschung über Körperpsychotherapie
I. Einführung
1. Hintergrund - 2. Vorgehensweise

II. Die empirischen Arbeiten
1. Yvonne Maurer-Groeli:
Körperzentrierte Gruppenpsychotherapie bei akut schizophren Erkrankten

2. Andres et al.:
Empirische Untersuchung einer leiborientierten Therapie mit schizophrenen Patienten

3. Ulrich Gudat:
Die Wirksamkeit der Bioenergetischen Analyse als ambulante Psychotherapie

4. Marie-Luise Langenbach:
Tiefenpsychologische Körpertherapie

5. Doris Hebenstreit:
Biodynamische Körperpsychotherapie. Eine Wirksamkeitsstudie

6. Traudel Taubner:
Über die Wirkung der biodynamischen Psychotherapie am Beispiel von 2 Jahresgruppen 1993-94

7. Beatrix Amstrutz:
Pilotstudie zur Wirksamkeit Bioenergetischer Analyse

8. Irene Rautner:
Die Veränderungen psychischer und physischer Befindlichkeit durch Behandlung mit Emotionaler Reintegration

9. Heinrich Wredal und Arbeitskreis E.R.I Wien:
Statistik der Einzelfallerhebung 1994, Evaluation der psychotherapeutischen Methode Emotionale Reintegration(ERI)

III. Überblick
IV. Diskussion der Ergebnisse

Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
Anmerkungen

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Einführung in: Körperpsychotherapie und Psychoanalyse
von Norbert Schrauth
In den Jahren 1932-34 fielen zwei schwerwiegende Entscheidungen für die Weiterentwicklung der tiefenpsychologisch begründeten Psychotherapien: 1932 brach Sigmund Freud den Kontakt zu seinem langjährigen Mitstreiter Sandor Ferenczi ab, weil dieser mit seinen technischen Experimenten und seiner Wiederbelebung der Traumatheorie in wesentlichen Theorie- und Technikfragen zu weit vom offiziellen Kurs der psychoanalytischen Vereinigung abgewichen war. 1934 wurde Wilhelm Reich wegen seines radikalen politischen Engagements, aber auch wegen seiner Integration von Körperinterventionen in die Behandlungstechnik, aus der internationalen psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen.

Beides führte zu einer Aufspaltung der tiefenpsychologischen Schulen in die mehr einsichtsorientierte Psychoanalyse mit strengen Handlungs- und Berührungsverboten (Abstinenzregel) einerseits  und den körper- und erlebnisorientierten Verfahren (wie Biodynamik, Bioenergetik und andere neoreichianische Verfahren, Gestalttherapie und Transaktionsanalyse) andererseits, die den Schwerpunkt auf die emotionale Erfahrung legen und die Berührung und Handeln in den psychotherapeutischen Prozess ausdrücklich einbeziehen.

Bei meiner Beschäftigung mit den Körperpsychotherapien in der Tradition Reichs beeindruckt mich bis heute die Variationsbreite der Interventionstechniken und die Tiefe der emotionalen und körperlichen Erfahrungen und Veränderungen, die diese ermöglichen. Bei der Psychoanalyse besticht demgegenüber die Treffsicherheit der Begrifflichkeiten, die Differenziertheit der Theorien, die diese aufgestellt haben und immer weiterentwickeln. Ich habe den Eindruck, dass in den Körperpsychotherapien die Ausdifferenzierung der Interventionstechniken und die Formulierung der eigenen Theorien zu Lasten des Austausches mit den Weiterentwicklungen der Psychoanalyse gegangen ist.

Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, einen Teil des Theorienreichtums der Psychoanalyse für die Körperpsychotherapien wieder zu erschließen und sie damit an den Strom der Theorieentwicklung der Psychoanalyse und der anderen tiefenpsychologischen Schulen anzuknüpfen. Außerdem soll der derzeitige Stand und die aktuellen Probleme der Evaluationsforschung bezüglich neoreichianischer Behandlungsverfahren berichtet und der weitere Forschungsbedarf aufgezeigt werden.

Untersuchungen über eine Nutzung körpertherapeutischer Interventionen in der psychoanalytischen Praxis liegen bereits vor. Von psychoanalytischer Seite haben sich in den letzten Jahren u.a. Bepperling (Bepperling u. Klotz 1978), Becker (1989), Johnen u. Müller-Braunschweig (z.B. 1989), Uexküll (Uexküll et al. 1994), Moser (Moser 1986, 1987, 1992, 1992b, 1993 und Moser u. Pesso 1989), Worm (z.B. 1990), Scharff (1995), Heisterkamp (1993 u. 2000) und von jungianischer Seite z.B. Mc Neely (1987), Ware (1984) und Schellenbaum (1987, 1988) um eine Integration psychoanalytischer und körperpsychotherapeutischer Konzepte und Behandlungsverfahren bemüht.

Die vorliegende Untersuchung stellt demgegenüber den Versuch dar, die Arbeit früherer psychoanalytischer Autoren, also das Werk von Ferenczi, Balint und Winnicott, auf die heutige Praxis neoreichianischer Körperpsychotherapie, vor allem der Biodynamik zu beziehen. Ein solches Vorgehen erscheint deshalb sinnvoll, weil diese drei Analytiker Zeitgenossen Reichs waren, aber weder Reich noch Boyesen und Lowen diese zitieren. Es bestehen jedoch in vielen Bereichen inhaltliche Übereinstimmungen, die in der vorliegenden Untersuchung herausgearbeitet werden. Dahinter steht ein weiteres Ziel, nämlich aus Sicht der körperpsychotherapeutischen Praxis Ansätze für die Reintegration der 1933/34 geschehenen Aufspaltungen beim heutigen Wissens- und Erfahrungsstand zu finden. Oder anders formuliert: Ist es möglich, Handeln und Verstehen, Befriedigung und Versagung, Körperintervention und analytisches Deuten sowie mütterliche und väterliche Qualitäten im psychotherapeutischen Prozess zu integrieren? Dies soll - wie oben erläutert - hauptsächlich am Beispiel der Biodynamik geleistet werden, da im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht alle Schattierungen körperpsychotherapeutischer Theoriebildung und Praxis dargestellt werden können.

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